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Frühgeburt - Wenn der Start ins Leben früher beginnt

Frühgeburt - Wenn der Start ins Leben früher beginnt

Eine Frühgeburt stellt Eltern oft vor unerwartete Herausforderungen – und vor eine Zeit voller Sorgen, Fragen und intensiver Gefühle. Wenn ein Baby früher kommt als geplant, beginnt der Start ins Leben meist anders als gedacht: medizinisch begleitet, manchmal turbulent, gleichzeitig aber auch voller Hoffnung. In diesem Beitrag erfährst du, warum Frühgeburten vorkommen, was sie bedeuten und welche Unterstützung es für die Familien gibt.

 

Was ist eine Frühgeburt – und warum kommt es dazu?

Von einer Frühgeburt spricht man, wenn ein Baby vor der 37+0 Schwangerschaftswoche (SSW) zur Welt kommt. Dabei wird zwischen späten Frühchen (34.–36. SSW), frühen Frühchen (28.–33. SSW) und extrem frühen Frühchen (unter 28. SSW) unterschieden. Ab dem Erreichen der 24+0 SSW oder einem Gewicht von 500g wird einem Kind eine grundsätzliche Überlebensfähigkeit zugesprochen und eine Maximalversorgung in der Therapie (in Absprache mit den Eltern) durchgeführt. Unter dieser Schwangerschaftswoche oder diesem Gewicht liegt eine Grauzone. Steht es im Raum, dass ein Kind unter diesen Umständen geboren bzw. geboren werden muss, findet ein enger Austausch zwischen den Eltern, Hebammen, Gynäkolog*innen und Kinderärzt*innen statt und die Situation und der Umgang damit wird individuell besprochen.

 

Die Gründe für eine zu frühe Geburt können sehr unterschiedlich sein: Infektionen, die vorzeitige Wehen oder einen Blasensprung auslösen, Schwangerschaftserkrankungen wie Präeklampsie, Mehrlingsschwangerschaften, Plazentaanomalien oder strukturelle Besonderheiten der Gebärmutter. Als werdende Mama hat man keinen grundlegenden Einfluss darauf.  Hebammen und Ärzt*innen versuchen immer die Geburt noch hinauszuzögern – denn jeder zusätzliche Tag im Bauch hilft dem Baby in seiner Entwicklung.


Um eine drohende Frühgeburt zu verhindern, gibt es verschiedene Möglichkeiten, welche natürlich stark von der Ursache abhängen. Wenn absehbar ist, dass ein Frühchen vor der 34+0 SSW auf die Welt kommt, wird der Mutter die sogenannte Antenatale Steroid Gabe (ANS) empfohlen. Dabei bekommt sie zweimal im Abstand von 12 Stunden einen Kortison-ähnlichen Wirkstoff in den Muskel verabreicht. Dieser wird über die Plazenta zum Kind weitergeleitet und sorgt beim Kind dafür, dass in den Lungen Surfactant gebildet wird. Surfactant senkt die Oberflächenspannung der Alveolen in der Lunge und verhindert damit das Kollabieren der Lungenbläschen beim Atmen. Da vor allem die unreife Lunge ein sehr hohes Risiko für Frühchen darstellt, ist dies eine bewiesene Therapie. Studien zeigen, dass dadurch das Risiko für ein sogenanntes Atemnotsyndrom um ca. 30-50% und die kindliche Sterblichkeit um ca. 30% gesenkt wird.
Neben der ANS kommen häufig noch Medikamente zum Einsatz, die vorzeitige Wehen reduzieren oder verhindern sollen. Auch eine Antibiotika Gabe für die Mutter wird häufig durchgeführt. Das Antibiotikum kommt ebenfalls über die Plazenta zum Kind und soll das Risiko für eine Infektion senken bzw. die vielleicht schon vorliegende Infektion eindämmen.

 

Neben der unreifen Lunge haben Frühgeborene auch für andere Erkrankungen ein erhöhtes Risiko. Grundsätzlich gilt, je früher ein Kind auf die Welt kommt, desto höher sind die Risiken für z.B. Hirnblutungen, Infektionen und mögliche Entwicklungsverzögerungen. Gleichzeitig zeigt die moderne Medizin, wie beeindruckend gut Frühchen sich entwickeln können – besonders mit viel Nähe und guter Versorgung.

 

Ob ein Frühchen vaginal geboren werden kann oder per Bauchgeburt (Kaiserschnitt) geboren wird, hängt ganz von der Gesamtsituation und auch von der Schwangerschaftswoche ab. Auch da ist ein enger Austausch mit den Hebammen und Gynäkolog*innen wichtig, um die richtige und risikoärmste Entscheidung für Mutter und Kind zu treffen.

 

Mein Kind ist ein Frühchen – und jetzt?

Die Nachricht, dass dein Baby ein Frühchen ist, trifft viele Eltern völlig unvorbereitet. Von einem Moment auf den anderen sieht der Start ins Familienleben ganz anders aus als erhofft. Statt euer Kind mit nach Hause zu nehmen, beginnt eure gemeinsame Zeit auf auf der neonatologischen Intensivstation.

 

Dein Baby liegt im Inkubator, wird überwacht, vielleicht mit Sonden, Schläuchen oder Infusionen am kleinen Körper. Dieses Bild ist schwer auszuhalten. Es ist nicht das, was man sich für sein eigenes Kind wünscht. Und es ist völlig in Ordnung, wenn sich das erst einmal fremd, beängstigend oder überwältigend anfühlt.

 

Manche Kliniken ermöglichen es, dass du gemeinsam mit deinem Baby im Zimmer bleiben kannst. In anderen liegen Mutter und Kind getrennt, mit der Möglichkeit, dein Baby jederzeit zu besuchen. Egal wie die räumliche Situation ist – du bist da. Und das zählt.

 

Wenn dein Baby stabil ist, wird das Bonding besonders wichtig. Nähe, Hautkontakt, dein Geruch und deine Stimme geben deinem Kind Sicherheit in einer Welt, die noch so neu und anstrengend für es ist. Gleichzeitig stärkt diese Nähe auch euch als Eltern. Auch der Papa oder die zweite Mama spielen hier eine ganz wichtige Rolle: Regelmäßiger Hautkontakt hilft auch ihnen, eine tiefe Bindung zu ihrem Baby aufzubauen.

 

Du kannst dich jederzeit an den Inkubator setzen und deinem Baby aus einem Buch vorlesen. Deine Stimme ist ihm vertraut – sie begleitet es, schenkt ihm Orientierung und Geborgenheit in dieser ungewohnten Umgebung.

 

Gleichzeitig darfst du auch dich selbst nicht aus dem Blick verlieren. Du hast gerade dein Baby geboren. Dein Körper hat Großartiges geleistet und braucht jetzt Ruhe, Erholung und gute, nährstoffreiche Nahrung. Auch wenn es sich oft anders anfühlt: Du darfst dich an erste Stelle setzen.

 

Ich weiß, wie leicht man als Mama in dieser Situation selbst in den Hintergrund rutscht. Doch in deinem Körper befindet sich nach der Plazentageburt eine etwa handtellergroße Wunde, und du hast unter der Geburt viele Elektrolyte und Energie verloren. Dein Körper ist mitten in einem intensiven Heilungsprozess. Vielleicht gibt es Menschen in deinem Umfeld, die dich unterstützen können – indem sie dir warme, nährstoffreiche Mahlzeiten mitbringen oder dich mit guten Lebensmitteln versorgen. Nimm diese Hilfe an, sie ist ein Geschenk.

 

Und auch im Krankenhaus darfst du jederzeit Unterstützung einfordern. Das Fachpersonal ist für dich da. Stelle Fragen, sprich Unsicherheiten aus und bitte um Hilfe, wann immer du sie brauchst. Du musst diesen Weg nicht allein gehen!

 

Auch das Stillen bzw. deine Muttermilch ist für Frühchen von unschätzbarem Wert. Kolostrum und Muttermilch stärken das Immunsystem und unterstützen die Reifung des Darms – ein riesiger Vorteil für dein Kind. Sehr kleine Frühchen können oft noch nicht effektiv saugen. Deshalb ist häufiges Abpumpen oder sanftes Ausstreichen besonders wichtig, um deine Milchbildung gut aufzubauen. Optimal ist es, innerhalb der ersten zwei Stunden nach der Geburt damit zu beginnen – zuerst mit den Händen, später mit der Milchpumpe. Deine Milch wird deinem Baby dann über eine Magensonde gegeben, solange es selbst noch zu schwach zum Trinken ist. Auch das ist ein Weg, deinem Kind ganz nah zu sein.

 

Der Klinikalltag ist geprägt von Untersuchungen, Monitoren und therapeutischen Maßnahmen. All das dient dazu, dein Baby Schritt für Schritt auf seinem Weg zu unterstützen. Wie lange ihr in der Klinik bleibt, ist sehr individuell. Es hängt davon ab, wie dein Kind sich entwickelt und ob Komplikationen auftreten. Eine grobe Faustregel lautet: Sehr frühe oder extrem frühe Frühchen bleiben oft mindestens bis zum errechneten Geburtstermin in der Klinik.

 

Auch wenn dieser Start schwer ist: Du bist nicht machtlos. Deine Nähe, deine Stimme, deine Berührungen und deine Milch sind unglaublich wertvoll. Schritt für Schritt wachst ihr gemeinsam in diese besondere Situation hinein – und euer Baby spürt, dass es geliebt und getragen wird.


Welche Unterstützung gibt es für Familien von Frühchen?

Eltern stehen nach einer Frühgeburt oft vor neuen organisatorischen und finanziellen Fragen.

Folgende Angebote können euch helfen:

  • Beratungs- und Hilfetelefone für Frühchenfamilien: Hotlines von Frühchenvereinen oder Elterninitiativen bieten schnelle Unterstützung, emotionale Entlastung und konkrete Tipps für den Alltag auf der Neonatologie und zu Hause.

  • Verlängerter Mutterschutz bei Frühgeburt: Bei einer Frühgeburt verlängert sich der Mutterschutz automatisch, damit die Mutter mehr Zeit zur Erholung und für ihr frühes Baby hat.

  • Elternzeit anmelden, ggf. früher als geplant: Da Frühchen oft länger im Krankenhaus bleiben, kann es sinnvoll sein, die Elternzeit schon früher zu beginnen, um ganz für das Kind da zu sein.

  • Finanzielle Hilfen der Krankenkasse: Kassen übernehmen häufig Kosten für Fahrten zur Klinik, Haushaltshilfe, bestimmte Therapien oder häusliche Pflege – eine wichtige Entlastung im intensiven Alltag.

  • Frühe Hilfen in eurer Region: Familienhebammen, Sozialdienste und regionale Netzwerke unterstützen praktisch, emotional und organisatorisch, damit ihr gut durch diese herausfordernde Zeit kommt.

 

Eine Frühgeburt stellt das Leben komplett auf den Kopf – doch ihr seid nicht allein. Mit guter medizinischer Versorgung, liebevoller Nähe und der passenden Unterstützung finden viele Frühchen und ihre Familien ihren ganz eigenen, starken Weg.

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